Wenn wir über Resilienz sprechen, darf das Thema Grenzen nicht fehlen.

Tipp: Wusstest du, dass du über die Suchfunktion auf dieser Seite schnelle Infos zu deinem aktuellen Thema findest? Alle Artikel haben mehrere Schlagwörter… Viel Freude damit!

Jeder von uns kennt Grenzen: Es gibt kleine, mittlere und große.

Die kleinen und mittleren werden oft unterschätzt, denn sie können sie zu einem großen Klumpen ballen! Ja, sie können dich auf längere Sicht sogar komplett in einen Burnout führen… So true.

Grenzen gibt es in Bezug auf

  • Zeit
  • Aufgaben
  • Menschen
  • Erwartungen
  • körperliche Befindlichkeiten…

… und fieserweise ausgerechnet in einer Kombination von mehreren Punkten.
Hört du die Sirene anspringen?

Was steckt dahinter, wenn du sagt „Ich habe soviel Stress!!!“

  • Du hast ein eingeschränktes Freizeitkonto.
  • Du hast so viele Aufgaben, dass du sie kaum schaffen kannst.
  • Die Aufgaben können sich auch aus verschiedenen Lebensbereichen, Beruf plus Privatleben aufsummieren.
  • Du stehst bei (zu) vielen Menschen im Wort. Du hast Angst, sie zu enttäuschen.
  • Nicht ‚nur‘ die Menschen haben Erwartungen, vielleicht auch Organisationen:
    Deine Firma, Dein Verein, Deine Gemeinde,…
  • ‚Gern‘ kommen dann noch extreme Wetterlagen, Krankheit, Müdigkeit, Erschöpfung, negative Emotionen, eine Sinnkrise… dazu.

Natürlich kenne ich das auch:

Der Juni 2019 war bei mir sehr voll mit Schuljahresendspurt, Sarstedter Musiktage mit zwei Konzerten, Ausbildungs-Wochenende nappydancers®… Nach einem wunderbaren mehrstündigen Tangoworkshop mit meinem Mann traf es mich von jetzt auf gleich: Hohes Fieber, also mein Schülerkonzert am Tag darauf krank durchgezogen. Dann eine Woche gelegen bei der ersten Hitzewelle, Bandkonzert des Sohnes verpasst 🙁 .Trotzdem das Ausbildungs-Wochenende und die Lehrprobe bei 36° absolviert, Lizenz erworben, das Schuljahr zu Ende gebracht. Das ist auch emotional bewegend mit der Verabschiedung von Schülern, die man mitunter mehrere Jahre begleitet hat. Dann noch eine sehr schöne Familienfeier mit großer Hitze und Temperaturstürzen, danach hatte ich ‚auf dem Zahnfleisch‘ die Sommerferien erreicht.

Bestätigt hat mich dieser Juni darin, dass ich es sonst tunlichst vermeide, in Stresszeiten wie Advent, Schuljahresende große Aktionen zu machen. Überhaupt verhalte ich mich gern antizyklisch, um solche Erschöpfungen zu vermeiden. Aus gutem Grund beginne ich allerdings diese Jahr schon in den Ferien teilweise wieder zu unterrichten und freue mich schon sehr darauf, mache mir aber auch Gedanken, ob das nicht ein großer Fehler ist. Denn ich spüre es: So recht komme ich nicht runter, vielleicht auch weil wir nicht in Urlaub fahren (können). Für die meisten von uns ist eine (häufigere) größere Auszeit ein unerfüllbarer Traum. Dieser Gedanke kann zu zusätzlichem Druck führen und die schlechte Ausgangslage noch verstärken.

Was kannst du also tun???

Setze sofort (!) Zeiten für dich fest:

  • Zeiten zum Spazierengehen, Draußen Sein, in der Hängematte liegen und in den Himmel gucken
  • Zeiten für etwas, das du schon lange tun wolltest, vielleicht zwei, drei Stunden für einen Stadtbummel, Museums- oder Kinobesuch
  • Zeiten für ein Telefonat oder Treffen mit einem lieben Menschen oder der Clique, die zu kurz gekommen ist
  • Einen Tagesausflug, einfach mal raus!
  • Beschäftigung mit einem vernachlässigten Hobby (Garten, Zeichnen, Üben, Handarbeiten…)
  • Deine Umgebung aufräumen und/oder aufhübschen
  • Einfach mal schlafen! Und Lesen!

Was würdest du gern tun? Notiere es, damit du es nicht wieder vergisst!

Wenn du etwas tust, kommst du sofort wieder in die Selbstwirksamkeit, nimmst das Ruder deines Lebens wieder in die Hand. Und das ist Gold wert.

Schätze die kleinen Auszeiten, die auch in einem vollen Tag möglich sind:

  • mit dem Rad zur Arbeit fahren, vielleicht durch einen Wald oder am Wasser entlang
  • endlich ein bisschen ausschlafen
  • ein, zwei Startionen vorher aus der Bahn aussteigen und zu Fuß gehen
  • Dich mit einem Lieblingsmenschen zur Mittagspause verabreden
  • einfach mal den Partner zum Elternabend schicken und dir einen ruhigen Abend machen
  • morgens vor der Arbeit eine halbe Stunde schreiben

Zeit für dich einplanen ist wie ein Muskel, den du trainieren kannst:

Erst mal eine Stunde, dann einen Nachmittag oder einen Abend, dann vielleicht mal einen ganzen Tag vielleicht auch als Dreamday oder Strategietag… Am besten ist es natürlich, wenn es dir gelingt aus bestimmten Dingen eine Gewohnheit zu machen. Ich durfte z.B. durch die Arbeit mit Zeitblöcken lernen, dass es durchaus auch für eine Selbstständige mit bis zu sechs Arbeitsbereichen möglich ist, einen Abend die Woche mit dem Liebsten zum Tangokurs zu gehen und alle zwei Wochen zur Spielerunde zu fahren. Es tut einfach gut und hat viele positive Aspekte, auch für die Beziehung, die Gesundheit, Lebensfreude…! Bei Stress werde gerade diese Aktivitäten gestrichen, dabei müsste man sie erst recht hochfahren!

Für Kreative, Selbstständige… sind diese Auszeiten geradezu lebensnotwendig. Denn ohne sie versiegt die Kreativität oder ist blockiert. Die Muse braucht die Muße um vorbeizuschauen!

Herzliche Sommergrüße von
Birgit aus Hannover