Für Kontinuität ist es unabdingbar, dass du überhaupt Zeit zum Üben finden kannst.

Bist du anderweitig berufstätig, bleibt dir nur die Freizeit – und die ist hart umkämpft!
Da kommt zunächst einmal die Familie, bei Vielen noch ein Ehrenamt (oder mehrere). Bei vielen Orgelspielenden ist das Orgelspiel, die Chorleitung und andere musikalische Aktivität eher ein Ehrenamt.  Es bleibt kaum Zeit für dich, für Bewegung, für Muße…

Bei den Eltern in meiner Musikschule bekomme ich hautnah mit, was für ein Freizeit-Stress sich selbst auferlegt wird! Nicht nur, dass die Kinder jeden Tag zu mindestens einem Termin gefahren werden müssen, am Wochenende geht es erst richtig los. Dabei arbeiten die Eltern in gehobenen, verantwortungsvollen Positionen mit Überstunden und Dienstreisen. Statt Muße in der Freizeit kommen umfangreiche Aktivitäten, viel Zeit wird auf der Straße verbracht, wenig geschlafen – und dann geht die neue Woche los…

Ich kann mir vorstellen, dass die Freizeit so intensiv gestaltet wird, weil man der (fremdbestimmten) Arbeit nicht das Feld überlassen möchte.
Das eigene Leben findet ja für Viele nur in der Freizeit statt. Man will sich nicht nur am Wochenende ausruhen, um für den Arbeitsmarkt frisch zu sein. Ein Dilemma!

Die Folgen sind überall zu sehen und zu spüren: Überforderung.
Es wird an der körperlichen Basis gekratzt mit wenig Schlaf, schlechter Ernährung, wenig Bewegung… Dazu kommt die psychische Komponente, der Perfektionismus. Oft sind gerade die, die Musik machen, die, die da auch gute Leistungen von sich erwarten. Die Freizeit wird auch hier zum Stress, begleitet vom allgegenwärtigen schlechten Gewissen – der größte Energieräuber. So ist Lustlosigkeit bis hin zum Burnout vorprogrammiert.

Seit einigen Jahren gibt es die Gegenbewegung, die von vielen belächelt, von anderen schief angesehen wird.
Denn sie kommt eher aus dem östlichen Raum mit seinem weltanschaulichen Unterbau: Die Achtsamkeit.
Mit inzwischen einer regelrechten Industrie drumherum.

Wir bei Übmentor sagen es anders:
Wir möchten den Übenden, die Übende in Kontakt mit sich selbst bringen. Darum ist die Reflexion, die Frageform für uns das Mittel der Wahl. Denn die Frage ermöglicht dem/der Einzelnen eine individuelle Antwort aus der aktuellen Situation heraus. Das ist mir das Wichtigste: Dass der Mensch seinen Standort klar bekommt, um von da aus ein Schrittchen in die selbstgewählte (neue?) Richtung zu tun. Und dann noch eins, und noch eins- im eigenen Tempo zum eigenen Leben.

Ein ausgewogenes Leben, ausgewogen in Anforderungen von Außen und dem eigenen Innen. Ein Leben, das die individuelle Berufung widerspiegeln kann. Dazu gehört die Muße. Ganz unbedingt.

Vor Jahren war das das Schwierigste für mich: Einfach mal nichts zu tun, in den Himmel zu gucken. Als Mutter von vier Kindern war ich immer am Laufen… Genießen durfte ich auch lernen. Zeiten einplanen für mein inneres Kind, das auch anderweitig spielen darf, schöne Dinge besehen möchte, in der Natur sein möchte… Wenn es dran ist- und wenn es möglich ist.

Kommt da eine Sehnsucht bei dir auf, wenn du das liest?
Dann notiere dir doch: „Ich möchte mehr von…… in meinem Leben!“ Das Eingestehen von dem, was du mehr möchtest, ist der erste Schritt. Der zweite ist die Überlegung wie das anzustellen sein könnte. Denn wenn du in der Freizeit etwas darfst, dann kann vielleicht auch das Üben dabei sein – ohne schlechtes Gewissen.

In der kostenlosen Facebook-Gruppe wird auch dieses Wochenthema vertieft. Vielleicht magst du dich durch dein Dabeisein dort immer wieder erinnern lassen an das, was DU dir vorgenommen hast?

Eine gute Woche wünscht dir
Birgit aus Hannover